Wie Schleswig-Holstein 2040 unterwegs sein könnte
Wie gelingt ein Nahverkehr, der für alle funktioniert – in Städten, auf dem Land und überall dazwischen? Ein neues Gutachten vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V. zeigt, was Schleswig-Holstein heute leistet, wo es hakt und wie ein ÖPNV aussehen kann, der den echten Norden bis 2040 spürbar stärkt.

Copyright: NAH.SH/Manuel Weber
Mobilität als Rückgrat des Alltags
Schleswig-Holstein ist ein Flächenland und der Nahverkehr hält vieles zusammen: Wege zur Arbeit, zur Schule, zur Freizeit. Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Gegenwart: Kosten steigen, Fachkräfte fehlen, Infrastruktur ist vielerorts überlastet. Schon heute trägt die öffentliche Hand rund 70 Prozent der Finanzierung, denn mit dem stark von den Ländern und vom Bund subventionierten Deutschlandticket sinken die Einnahmen weiter. Dennoch: 2024 kamen 3,7 Milliarden Personenkilometer in Schleswig-Holstein zusammen.
Zukunft sichern: Modernisieren bevor erweitern
Damit der Nahverkehr zuverlässig bleibt, braucht es laut VDV-Bericht zunächst eine Modernisierungsoffensive (Modernisierung 2040): instandgesetzte Infrastruktur, digitale Betriebsabläufe, klimafreundliche Fahrzeuge und robuste Werkstätten. Um dies zu erreichen, wäre bis zum Jahr 2040 eine deutlich höhere Finanzierung nötig, nämlich rund 46 Millionen Euro mehr pro Jahr. Ab 2040 dann wären jährlich rund 1,61 Milliarden Euro erforderlich – fast doppelt so viel wie heute. Dieses Szenario schafft vor allem Stabilität: pünktlichere Verbindungen, moderne Züge, eine leichte Nachfragesteigerung und die Basis dafür, überhaupt weiterzuwachsen.
Einiges davon hat das Land Schleswig-Holstein bereits auf den Weg gebracht: Um das Netz zu modernisieren und zu entlasten, wurden wichtige Infrastrukturmaßnahmen angeschoben. Auf vielen Strecken im Land sind mittlerweile klimafreundliche Fahrzeuge im Einsatz, weitere sind für die nächsten Jahre geplant. Zudem schreitet die Digitalisierung voran und an weiteren Standorten entstehen Werkstattkapazitäten.
900 Millionen Euro für Schienenprojekte
Sie möchten mehr zu zukünftigen Schienenprojekten in Schleswig-Holstein erfahren? Hier geht es zu den konkreten Ausblicken, die auf einer Pressekonferenz zur Infrastruktur am 23. Februar 2026 von Schleswig-Holsteins Verkehrsstaatssekretärin Susanne Henckel gemeinsam mit Vertreter*innen von DB und AKN sowie NAH.SH-Geschäftsführerin Birgit Austen präsentiert wurden.
Deutschlandangebot 2040: Mobilität für alle – überall
Noch größer denkt das Szenario „Deutschlandangebot 2040“. Es baut vollständig auf „Modernisierung 2040“ auf und verfolgt drei Ziele:
- Flächendeckende Erreichbarkeit durch bundesweit einheitliche Mindestbedienstandards.
Dies bedeutet: eine quantitative Verbesserung des Angebots. Wenn das ÖPNV-Gesamtsystem ausgebaut und in die Fläche erweitert wird, entstehen mehr Linien – und damit dichtere Takte in den Ballungsräumen und vollständig mit dem ÖPNV erschlossene Regionen. Konsequent wäre eine Taktverdichtung in den Kreisen nach Schweizer Standards, das Angebot verdichtet sich um 40 Prozent und der Fahrplan wird um 5 Prozent beschleunigt.⁴ - Klimaschutz und Dekarbonisierung durch massive Angebotsausweitung bei gleichzeitig emissionsfreiem Betrieb.
Dies bedeutet: eine qualitative Verbesserung. Wenn zum einen ein viel größeres ÖPNV-Angebot besteht und dieses gleichzeitig durch eine modernisierte Infrastruktur und den Einsatz von E-Bussen und alternativen Antrieben im Schienenverkehr getragen und bedient wird, kann ein deutlich größerer Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. - Strukturelle Gerechtigkeit und Teilhabe durch die Anbindung peripherer und ländlicher Räume mit einem angemessenen Bedienstandard.
Dies bedeutet: Individuelle Mobilität mit dem ÖPNV darf nicht davon abhängig sein, wo man wohnt. Von der Stadt bis aufs Land müssen die Menschen ähnlich gute und damit gerechte Möglichkeiten haben, den ÖPNV nutzen zu können.
Für Schleswig-Holstein bedeutete das im Szenario: 54 Prozent mehr Sitzplatzkilometer, 27 Prozent mehr Nachfrage und eine spürbare Verbesserung der ÖPNV-Qualität⁵, im Landesdurchschnitt von Güteklasse 4,0 auf 2,8. Für viele Regionen wäre es ein echter Entwicklungsschub.⁶ Der Preis dafür: Um das umfassende Deutschlandangebot zu verwirklichen, bedarf es bis 2040 deutlich höherer Investitionen in den ÖPNV (Plus 106 Millionen Euro/Jahr). Ab 2040 dann lägen die jährlichen Kosten bei knapp 2,57 Milliarden Euro.⁷

Grafik zur Veränderung der durchschnittlichen Güteklassen je Kreis im Deutschlandangebot 2040 in Schleswig-Holstein. Copyright: VDV - Verband Deutscher Verkehrsunternehmen
Schon mal gehört? Die ÖV-Güteklassen
Die sogenannten ÖV-Güteklassen bewerten die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs und zeigen an, wie gut ein bestimmter Standort in Sachen Haltestellendichte und Fahrplantaktung mit dem Nahverkehr verbunden ist. Sie werden in die Stufen A (sehr gut) bis F (sehr schlecht) eingeteilt, aber auch in Schulnoten von 1 bis 6 ausgedrückt. Heutzutage gibt es noch einen deutlichen Unterschied zwischen Städten und dem ländlichen Raum.
Was bleibt? Ein klarer Auftrag
Das Gutachten zeigt deutlich: Schleswig-Holstein kann seinen Nahverkehr weiter modernisieren, stärken und langfristig gerechter machen, wenn Bund, Land und Kommunen gemeinsam investieren. Mobilität wird damit nicht nur komfortabler, sondern auch ein Stück verlässlicher Alltag. Oder anders gesagt: ein ÖPNV, der den Norden weiter zusammenhält.

Copyright: VDV - Verband Deutscher Verkehrsunternehmen
Alle Angaben aus:
VDV Nord, Ausgabe November 2025; Das Deutschlandangebot 2040 in Schleswig-Holstein. Transformationsfahrplan für einen modernen, effizienten und leistungsstarken ÖPNV für alle und überall. Gutachten über die Finanzierung der Leistungskosten im ÖPNV in Deutschland und in Schleswig-Holstein 2024–2040 (kurz: VDV Nord GA)





