Seit über 130 Jahren: Auf Mission für ein gutes Miteinander

Die meisten Menschen haben schon mal von ihr gehört, oder sind am Bahnsteig Mitarbeitenden in deren typisch blauen Westen begegnet: Die Rede ist von der Bahnhofsmission. Dennoch wissen viele nicht, wer oder was eigentlich hinter dieser ganz besonderen Mission steckt. Wir blicken hinter die Kulissen der Bahnhofsmission und schauen auf die wichtigsten Fakten dieser außergewöhnlichen sozialen Einrichtung mit über 130-jähriger Geschichte.

Was genau ist eigentlich die Bahnhofsmission?

Die Bahnhofsmission ist eine gemeinsame ökumenische Einrichtung der Evangelischen und Katholischen Kirche. An Bahnhöfen in ganz Deutschland bietet sie niedrigschwellige und direkte Hilfe für Reisende und Menschen in Not. Sie unterstützt, berät und begleitet Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter, Glaube, Nationalität und sozialem Status.

Personell und finanziell wird die Hilfseinrichtung von den Wohlfahrtsverbänden der beiden Kirchen (z. B. Caritas und Diakonie) sowie deren regionalen und lokalen Unterorganisationen getragen. Finanziert wird sie außerdem durch öffentliche Zuschüsse von Kommunen, Land und Bund sowie durch Spenden von Privatpersonen und Unternehmen. Besonders die Spenden sind wichtig für die Aufrechterhaltung der Arbeit, die laut eigenen Angaben der Bahnhofsmission jährlich rund zwei Millionen Menschen zugutekommt.

Warum gibt es die Bahnhofsmission?

Die Bahnhofsmission wurde 1894 in Berlin gegründet. Aufgrund der zunehmenden Industrialisierung zogen viele Menschen auf der Suche nach Arbeit und Perspektiven vom Land in die Städte. Da sich darunter besonders viele junge Frauen befanden, deren Situation oft ausgenutzt wurde, entstand die Bahnhofsmission. Sie wollte diesen Frauen Orientierung und Schutz bieten. In den mittlerweile über 130 Jahren ist die Klientel der Hilfesuchenden längst viel umfangreicher geworden und wird auch immer wieder stark durch gesellschaftliche Veränderungen und Probleme beeinflusst und geprägt (Krieg, Armut, Migration, Sucht, Obdachlosigkeit).

Auch das Angebot hat sich dadurch weiterentwickelt und erweitert. Was sich jedoch seit dem ersten Tag nicht geändert hat: Der Standort einer Bahnhofsmission ist tatsächlich immer an einem Bahnhof. Insgesamt gibt es heutzutage rund 100 Bahnhofsmissionen in Deutschland, davon zehn in Schleswig-Holstein (Kiel, Lübeck, Flensburg, Neumünster, Schleswig, Husum, Eckernförde, Itzehoe, Rendsburg und Elmshorn).

Was sind die Hauptaufgaben der Bahnhofsmission?

Die Angebote der Bahnhofsmission sind so vielseitig wie die Menschen, die diese Hilfe in Anspruch nehmen. Die zwei zentralen Felder sind die Hilfe auf Reisen und die Hilfe in Notlagen.


Hilfe auf Reisen

• Unterstützung mobilitätseingeschränkter Personen beim Ein-, Um- und Aussteigen

• Unterstützung bei Verständigungsproblemen für gehörlose, schwerhörige, blinde, seh- oder sprachbehinderte Menschen sowie für Menschen, die nicht so gut deutsch sprechen

• Reisebegleitung für Senior*innen, allein reisende Kinder und andere Hilfebedürftige

„Die Möglichkeit zu reisen ist eine wichtige Dimension von Lebensqualität und Teilhabe; wer nicht reisen kann, verliert soziale Beziehungen.”

(www.bahnhofsmission.de)



Hilfe in akuten und existenziellen Notlagen

• Erste Hilfe & Notfallhilfe: Hilfe in akuten Notsituationen

• Soziale Beratung: Gespräche, Orientierung, Weitervermittlung an Fachstellen

• Grundversorgung: Getränke, kleine Mahlzeiten, Hygieneangebote

• Kindernotbetreuung: Betreuung von in Not geratenen Kindern

• Zufluchtsort: Schutzraum für Obdachlose, Suchtkranke und andere Menschen in schwierigen Lebenslagen

„Scheuen Sie den Weg zu uns nicht, wir haben ein offenes Ohr für Ihre Probleme und suchen gemeinsam mit Ihnen nach Lösungen! Wir hören Ihnen gerne zu und helfen, wo wir können.”

(www.bahnhofsmission.de)

Die Rolle des Ehrenamts bei der Bahnhofsmission

Bei der Bahnhofsmission sind rund 2.000 Menschen beschäftigt, davon etwa 90 Prozent ehrenamtlich. Die Ehrenamtlichen ermöglichen durch ihren Einsatz die langen Öffnungszeiten und die Niedrigschwelligkeit des Angebots. Sie bringen persönliche Lebenserfahrung, Empathie und Zeit mit. Somit ist die Rolle des Ehrenamts bei der Bahnhofsmission ganz besonders wichtig und entscheidend für das Gelingen der Mission.

Wer Hilfe leisten und sich engagieren möchte, findet hier Weiteres zum Ehrenamt bei einer örtlichen Bahnhofsmission

Mission Mobil: Bahnhofsmission Mobil SH

• Unterstützung von Reisenden am Bahnsteig

• Begleitung von Reisenden während der gesamten Zugfahrt im Regionalverkehr in Schleswig-Holstein

• Kostenfreies Angebot für alle, die sich eine Reise mit der Bahn allein nicht (mehr) zutrauen: allein reisende Kinder, Eltern mit mehreren Kindern, Senior*innen, die lange nicht mehr Zug gefahren sind, Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, und andere

• Bei Überschreitung der Landesgrenze von Schleswig-Holstein übernimmt ein*e Bahnhofsmission-Mitarbeitende*r aus dem jeweiligen Bundesland

Wer Unterstützung bei einer Bahnfahrt benötigt, findet hier weitere Informationen

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