Per Quereinstieg zum Nahverkehr: Christina am Steuer zwischen Stadt und Meer
Seit Herbst 2023 ist Christina ausgebildete Busfahrerin bei der KVG in Kiel. Dass sie einmal einen tonnenschweren Bus durch die Innenstadt lenken und täglich Tausende Menschen befördern würde, hätte sie selbst nicht gedacht. Als Quereinsteigerin wagte sie den Schritt in einen neuen Beruf. Im NAH.ran!-Interview erzählt sie, wie ihr der Einstieg gelang und warum sie die Verantwortung und Selbstständigkeit an ihrem Job schätzt.

Christina, wie kam es, dass Sie Busfahrerin geworden sind?
Ich wollte mich beruflich umorientieren und hörte davon, dass die KVG Busfahrer*innen sucht. So habe ich dann im März 2023 den KVG-eigenen Karrieretag besucht und durfte dort mit dem Bus über den Betriebshof fahren. Das hat mir direkt supergut gefallen!
Wie ging es dann weiter?
Ich habe mich erfolgreich beworben und am 1. Juni 2023 meine Ausbildung begonnen. Bereits nach vier Monaten bin ich dann allein einen Bus gefahren.
Was benötigt man für eine Ausbildung zum*r Busfahrer*in?
Die einzigen Voraussetzungen sind ein PKW-Führerschein, ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis sowie eine Freigabe durch den Betriebsarzt. Dann macht man den Busführerschein bei der KVG, und nachdem man eine bestimmte Zeit lang mit einem*r Lehrfahrer*in unterwegs war, fährt man irgendwann allein.

Was haben Sie vor Ihrem Quereinstieg als Busfahrerin gemacht?
Ich war vorher im Einzelhandel. Mein Umfeld reagierte total positiv auf meine berufliche Veränderung.
Wie hat sich es angefühlt, das erste Mal allein am Bussteuer, unterwegs durch Kiel?
Am ersten Tag, an dem ich allein gefahren bin, war ich natürlich noch aufgeregt und habe gehofft, dass ich alles richtig mache. Danach war ich dann irgendwann dankbar, dass ich die Menschen von A nach B bringen darf. Da ist außerdem ein großes Verantwortungsgefühl, es ist ja immer sehr viel zu beachten. Ich mag dieses Unterwegssein, dieses Freiheitsgefühl!
Was macht Ihren Arbeitsalltag besonders, auch im Vergleich zu Ihrem vorherigen Job?
Ich habe von Anfang an gemerkt, dass das Busfahren ganz anders ist als die Arbeit im Einzelhandel. Ich steige selbstständig auf den Bus und fahre los, ohne dass da jemand im Hintergrund steht und sagt, was ich machen soll. Klar – man hat seinen Dienst, den muss man halt fahren. Dadurch, dass man selbst für den Bus zuständig ist, genießt man ein gewisses Vertrauen. Das war in meinem vorherigen Job nicht so. Ich mag auch sehr dieses Freiheitsgefühl am Steuer. Zudem gibt es beim Busfahren immer eine gewisse Abwechslung, denn ich fahre eigentlich jeden Tag verschiedene Linien – und natürlich verschiedene Menschen. Und nicht zuletzt die Dankbarkeit der Fahrgäste – das bringt mir schon sehr Spaß.
Wie empfinden sie den Umgang mit den Fahrgästen?
Die Fahrgäste sind größtenteils freundlich, sagen „Hallo“ und „auf Wiedersehen“, aber das könnte gerne noch ein bisschen mehr sein. Manche gehen einfach rein, gucken einen nicht mal an, wenn sie einsteigen oder ein Ticket kaufen, sagen nicht mal „Danke“. Das ist schade.
Sie arbeiten nun seit fast drei Jahren als Busfahrerin. Ist Ihnen in aus dieser Zeit ein Erlebnis besonders im Gedächtnis geblieben?
Nichts Außergewöhnliches, aber ich freue mich immer über tolle Gespräche mit den Fahrgästen, besonders auch mit den älteren. Die erzählen mir dann aus ihrem Leben, was sie alles erlebt haben, wo sie überall hingereist sind. Und dann geben sie mir teilweise auch sehr „weise“ Tipps wie „Vergessen Sie bloß nicht zu leben oder zu reisen.“ Darüber freue ich mich immer sehr.
Gibt es auch Situationen, die grenzwertig sind und wie gehen Sie damit um?
Bis jetzt hatte ich immer Glück, und ich konnte das mit einem freundlichen Gespräch regeln. Ich würde ansonsten erst einmal versuchen, das irgendwie selbst hinzukriegen, also mit den Menschen zu sprechen. Wenn das nicht funktioniert, müsste ich natürlich die Leitstelle anfunken und um Unterstützung bitten.
Gab es andere Alltagssituationen, die schwierig sind?
Ja, zum Beispiel wenn die Leute ihre Kopfhörer aufhaben und man eine Durchsage macht – weil man zum Beispiel spontan eine Umleitung fahren muss – dann kommen einige plötzlich einzeln nach vorne und fragen: „Wieso fahren Sie denn anders?“ Da würde ich mir schon wünschen, dass sie im Bus zumindest mal ihre Kopfhörer abnehmen, leiser machen oder das Noise-Canceling ausmachen. Sowas kommt öfter vor.
Was könnte helfen, damit das Miteinander im Bus (besser) funktioniert?
Es wäre hilfreich, wenn alle ein bisschen mehr aufeinander achten würden. Auch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind immer wichtig.
Was würden Sie sagen, was macht das Busfahren in Kiel besonders und was sind Ihre Lieblingsstrecken?
Ich finde es schön, dass man so in der Nähe vom Meer fährt. Das liebe ich gerade im Sommer. Wenn ich dann mit der 14 raus nach Laboe oder mit der 12 nach Strande fahre. Diese Linien sind meine Lieblingslinien.
Im Sommer haben Sie in Kiel wahrscheinlich relativ viele Tourist*innen und Kreuzfahrer*innen an Bord. Macht das einen Unterschied?
Es ist dann schon etwas mehr los, das auf jeden Fall, aber die sind alle freundlich und in Urlaubsstimmung. Es kommen mehr Fragen, aber die kann man ja alle beantworten.
ALS QUEREINSTEIGER*IN FÜR DEN NAHVERKEHR ARBEITEN
Per Bahn oder Bus in eine neue, berufliche Zukunft?
Nicht nur die KVG, auch viele andere Verkehrsbetriebe in Schleswig-Holstein suchen regelmäßig neue Teammitglieder, egal ob mit oder ohne Vorerfahrungen.
Die nächste Bewerbungsfrist für „Quereinsteiger*innen zum Erwerb des Führerscheins Klasse D“ bei der KVG Kiel ist am 31. Oktober 2026.
Alle Infos gibt es hier.
Ob Schiene oder Straße: Wo fährt wer – und wo könnte man arbeiten?
Auf der folgenden Seite der NAH.SH findet man die Weiterleitungen zu Job-Ausschreibungen aller Verkehrsunternehmen in Schleswig-Holstein.
Alle Infos gibt es hier.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Nahverkehrs?
Was ich mir auch wünschen würde, hat mit meinen persönlichen Erfahrungen zu tun: Ich komme vom Land – da sollte der Nahverkehr vielleicht noch ein bisschen flexibler werden. Dann würde ich und andere vielleicht auch öfter ÖPNV nutzen. Bisher ist das leider noch nicht so einfach.





