Ein halbes Jahr NAH.SH – sechs Monate, sechs Fragen an: Geschäftsführerin Birgit Austen
Am 16. Januar 2026 hat Birgit Austen die kaufmännische Geschäftsführung der NAH.SH übernommen und bildet seitdem gemeinsam mit Dr. Arne Beck eine Doppelspitze in der Geschäftsführung.

Birgit Austen kommt vom Kieler Institut für Weltwirtschaft, wo sie zuletzt als Geschäftsführende Administrative Direktorin tätig war. Sie kümmert sich nun um die Bereiche Fahrgastmarkt und Verbundentwicklung und somit unter anderem um die Themen Tarif, Vertrieb und Fahrgastinformation, Kommunikation und Finanzierung.
Darüber hinaus ist sie Vorständin der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Schleswig-Holstein (ZUG.SH) und löst damit Interimsvorstand Bernhard Wewers ab.
In unserem kurzen Interview gibt Birgit Austen einen kleinen Einblick in ihre ersten sechs Monate bei der NAH.SH.
Liebe Frau Austen, bis zu Ihrem Antritt im Januar kannten Sie die NAH.SH nur aus der Fahrgastperspektive – was hat sich in Ihren Sichtweisen nach einem halben Jahr im Unternehmen verändert?
Als Fahrgast erlebt man das Ergebnis – Verbindungen, Tarife und leider nicht immer überzeugende Qualität. Heute weiß ich, wie viel Abstimmung, Planung und Verantwortung hinter dem Ergebnis stecken. Mich beeindruckt besonders die enge Zusammenarbeit mit Verkehrsunternehmen, Kreisen, Städten, Kommunen und dem Land. Der Blick ist deutlich vielschichtiger geworden – und gleichzeitig wächst mein Respekt vor der täglichen Leistung aller Beteiligten unter ziemlich herausfordernden Bedingungen. In diesem sehr komplexen System können wir nur gemeinsam nachhaltige Verbesserungen für die Fahrgäste erreichen.
Besonders der Bereich Zahlen liegt in Ihrer Berufung. Welche Zahl, die Ihnen in den ersten beiden NAH.SH-Quartalen 2026 begegnet ist, hat Sie besonders beeindruckt und warum?
Mich hat die Dimension der Investitionen beeindruckt – rund 900 Millionen Euro allein für zusätzliche Schienenprojekte im Rahmen des Sondervermögens und die bereits geplanten Investitionen für den Ausbau. Diese Zahl steht aber nicht nur für Geld, sondern für konkrete Verbesserungen: mehr Kapazität, bessere Verbindungen und eine langfristige Stärkung des Systems Nahverkehr.
Eine zweite beeindruckende Zahl ist die 100 – es gibt bundesweit etwa 100 Apps, über die Fahrgäste informiert und Tickets verkauft werden. Für die Fahrgäste möchten wir den Zugang zum Nahverkehr möglichst einfach machen. Diese Zahl zeigt, dass die Aufgabenträger noch besser zusammenarbeiten können.
Dank zusätzlicher Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes können in Schleswig-Holstein 13 Schienenprojekte vorgezogen, beschleunigt oder neu begonnen werden. Das Gesamtinvestitionsvolumen dieser Projekte beträgt rund 900 Millionen Euro, von denen etwa 200 Millionen Euro aus dem Sondervermögen stammen. Was bedeutet das konkret für die Zukunft des Nahverkehrs in Schleswig-Holstein?
Das ist ein enormer Schub für den Nahverkehr. Die Projekte ermöglichen uns, einige der bestehenden Engpässe zu beseitigen und die Infrastruktur zukunftsfähiger zu machen. Eine Studie aus 2025 hat gezeigt: Jeder in den Nahverkehr investierte Euro bringt etwa 3 Euro volkswirtschaftlichen Nutzen. Also ist die Investition auch ein Schub für Schleswig-Holsteins Wirtschaft.

Wie wichtig ist der Nahverkehr für Schleswig-Holstein als Wirtschaftsstandort?
Ein leistungsfähiger Nahverkehr ist für Schleswig-Holstein ein zentraler Standortfaktor. Nahverkehr stärkt, so hat die oben erwähnte Studie gezeigt, den Einzelhandel, den Tourismus, den Arbeitsmarkt und entlastet Pendlerinnen und Pendler.
Und er spart volkswirtschaftliche Kosten – etwa durch weniger Verkehrsunfälle, geringeren Flächenverbrauch, weniger Lärm, weniger Luftverschmutzung und weniger CO₂-Emissionen.
In unserem Flächenland müssen Menschen zuverlässig zwischen Wohnorten, Arbeitsplätzen und Ausbildungs- sowie Freizeitstätten pendeln können – sowohl in den ländlichen Räumen als auch in den Städten. Mit einem starken Nahverkehr ist Schleswig-Holstein als Wirtschafts- und Wohnstandort attraktiv und wettbewerbsfähig.
Das Land Schleswig-Holstein hat sich vorgenommen, bis 2040 klimaneutral zu werden. Ein wichtiger Baustein dabei ist klimafreundlichere Mobilität – etwa durch den Umstieg vom Pkw auf Bahn und Bus, was pro Personenkilometer deutlich weniger CO₂ verursacht, und den Einsatz klimafreundlicher Antriebe, wie wir es mit Elektrozügen tun.
Von den ganz großen Fragen zu den ganz konkreten: Was ist das (bisher) Schönste an Ihrer neuen Tätigkeit im Nahverkehr?
Mich begeistert die Kombination aus strategischen Themen und ganz konkreten Auswirkungen im Alltag der Menschen. Es ist sehr motivierend zu wissen, dass unsere Arbeit unmittelbar spürbar ist – sei es durch bessere Informationen, einfachere Tarife oder ein verlässlicheres Angebot. Die Arbeit im Herzen der Mobilitätswende in Schleswig-Holstein ist vielfältig, höchst relevant und sinnstiftend.
Der Nahverkehr Schleswig-Holstein in einem Satz erklärt:
Der Nahverkehr in Schleswig-Holstein – wenn er so funktioniert, wie wir es uns wünschen – verbindet im schönsten Bundesland zwischen zwei Meeren Menschen und Orte und leistet so seinen Beitrag zu Lebensqualität, wirtschaftlicher Gesundheit und zur Mobilitätswende.
Vielen Dank für das Interview, Frau Austen!
Quelle:
Studie von „MCube“, TU München und der DB-Initiative „Zukunft Nahverkehr“, Link





